Klaus J.A. Mellenthin: Stadtlandschaften

Erweiterter Blickwinkel. Die Bilder von Klaus Mellenthin erzielen ihre Effekte mit Elementen jenseits der
elementaren Bildinhalte: Weite, Leere, Blickwinkel. Als Regel sind mindestens ein, aber nicht mehr als zwei
Objekte sichtbar. Keine ungewohnten Kombinationenen von Bekanntem in ungewohnter Umgebung, keine
künstliche Ästhetik und kein Trash Stil wie er in letzter Zeit in der Fotografie modern war.


Es gibt keine schriftlichen Hinweise oder Menschen, die die Aussage der Bilder andeuten. Mellenthin verlässt
sich auf den Moment, wenn der Betrachter automatisch zum Interpreter wird, was bedeutet, dass der
Betrachter aktiv Teil des Bildes wird. Augenblicklich taucht unsere eigene Stimmung mit ihren eigenen
Wünschen und Wahrnehmungen auf. Meistens haben sie nichts oder nur wenig mit dem tatsächlichen Objekt
gemein. Die Bilder dienen eher als Metaphern, die weitreichende Verbindungen herstellen. So wird der
Blickwinkel des Betrachters geöffnet bis er schließlich sich selbst reflektiert.


Befreiung des Blickwinkels. Zum Beispiel zeigen Klaus Mellenthins schwarz/weiß Bilder der Serie
Stadtlandschaften unbelebte Objekte vor einem unendlich großes Himmel. Die Bilder zeigen stelzerne
Hütten für Rettungsschwimmer, Brücken und Boote. Für Mellenthin erzeugt die Leere einen erweiterten
Blickwinkel und regt die  Wahrnehmung des Betrachters an.


Seiner Objektwahl fehlt der gemeinsame Nenner, und sie ist trotzdem unverkennbar. Das bedeutet, dass wir,
das Publikum, unseren Abstand aufgeben müssen um Mellenthins subjektive Blickwinkel anzunehmen.
Es kann sein, dass unsere Stimmung sich der des Fotografen in dem Moment in dem er das Bild fotografierte,
anpasst. Seine Bilder beziehen sich auf real existierende Situationen, so wie eine Reise durchs Leben, mit
Hinweisen auf die Realität jenseit der sichtbaren Motivs.


Nachdem im Bild keine Menschen auftauchen, vervollständigen wir das Bild in unserem Kopf. Wir fügen
unsere eigene Welt der Gefühle und Erfahrung hinzu. Ich tue etwas für mich und so gebe ich etwas anderen,
sagt Mellenthin. Seine Fotos zeigen auf zweierlei Art Momentaufnahmen von Stimmungen: die Atmosphäre
zu dieser Zeit an diesem Ort des Fotos und die Stimmung die durch die metaphorische Sprache des
Betrachters erzeugt wird.


Rettungsboot Zeitbrücke. Mellenthins Bildsprache lässt sich sehr schön an Hand seiner BARCelOna Serie
aufzeigen. Man sieht ein Bootgebilde vor einem dunklen Himmel mit vom Wind zerissenen Wolken. Wegen des
geringem Umgebungslichtes scheint der Bootskörper keinen Umriss zu besitzen. Auf der Schiffsbrücke
ahnt man Rettungsringe, Sendemasten und ein Geländer. Ein schwacher Schriftzug lässt keine Rückschlüsse
zu. Es wird sich etwas ändern. Es ist die Angst vor der Veränderung im Moment der Abfahrt. Das Bewußtwerden
von einem nicht rückgängig zu machenden Schritt gepaart mit der wahrscheinlichen Erleichterung oder
sogar Genugtuung, dass man diesen notwendigen Schritt unternommen hat, wenn das Schiff schließlich abfährt.
Die Betrachter erzeugen ihre eigene, einmalige Wirklichkeit was dieses Bild angeht. Das Bild wird zur Metapher
für den inneren Zustand des einzelnen Betrachters.


Bildrückblick. Mellenthins psychologische Fotografie ist eine sehr menschliche Fotografie. Obwohl, wie zum
Beispiel in der Serie Stadtlandschaften, die Bilder weder Leben noch Leute beinhalten, hat sie viel mit dem
Leben an sich zu tun. Die Unterschiede in den Bildern sind gewollt und erfrischend, so wie die Möglichkeit
eines freien Menschens sich sein Lebenstil selbst zu wählen. Aber dieser Spielraum birgt die Gefahr sich
in der Vielzahl der Möglichkeiten zu verlieren. Man kann sich in Mellenthins ausgedehnter Stimmung verirren,
die faszinierend aber auch Besorgnis erregend ist.


Es dreht sich alles um Gefühle. Wir schauen auf die Bilder, und die Bilder blicken zurück. Diese sehr
individuelle und emotional aufgeladene Fotografie funktioniert wie ein Tagebuch. Der Künstler arragiert
Gefühle und bietet sie zur Bewertung an. Die Bilder dienen  als Mittel der Anpassung und der Selbsterkenntnis.
Autobiografisches Material, welches sich auf dieser Ebene nicht in Worte fassen lässt. Wie Gedichte müssen
diese Fotos zur Seite gelegt werden, um sie später mit Abstand im neuem Licht zu betrachten.


Die Bilder dienen dem Fotograf zuerst als Dokumentation eines Momentes oder aber eines ganzen
Lebensabschnittes. Mellenthin betont: Zuerst fotografiere ich diese Bilder für mich selber. Sein Publikum sind
Zuschauer, die ihren eigenen, persönlichen Bezug zu den Bildern mit einbringen. So betreten sie beim
Betrachten der Bilder in eine individuelle Welt aus persönlicher Erfahrung.

Kontakt Klaus Mellenthin

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